Einen weltberühmten Pianisten hautnah erleben, in das Leben dieses Künstlers eintauchen, ihm aus nächster Nähe zuhören und seiner Mimik beim Spiel zusehen dürfen, diese Gelegenheit haben nur die wenigsten Jugendlichen. Mit dem Besuch des namhaften ungarischen Pianisten Dénes Várjon ist dies für die Schüler des Kulturkurses der Jahrgangsstufe 9 am Städtischen Gymnasium Wirklichkeit geworden.

Gut gerüstet mit Fragen im Gepäck steigen Eric Uphoff und Wyn Schulte (Kl 9) leicht nervös die Stufen zur Bühne in der Aula des SGR hinauf, denn sie sollen das Interview moderieren. Ihnen folgen  Várjon selbst und Schulleiter Stefan Schwarzer. „Dénes Varjon ist im Rahmen des Beethovenfestes in Bonn und unserer Kollegin Karin Lang ist es gelungen, ihn über „Rhapsody in school“ in unsere Schule einladen zu können“, erläutert Schwarzer den Schülern im Saal. „Wir freuen uns, dass das nun schon zum wiederholten Male geklappt hat“, betont er die besonders enge Zusammenarbeit zwischen Beethovenfest und SGR in den letzten Jahren.

Die Nervosität der jungen Moderatoren schwindet schnell. Herr Várjon lebt ohne Starallüren, ein Mann zum Anfassen. So ergibt sich schnell ein informatives Gespräch. Die Jugendlichen erfahren, dass Várjon sieben Jahre alt war, als er mit dem Klavierspiel begann, und sich sofort der klassischen Musik widmete. Er war oft mit seinen Eltern, selbst Musiker, in der Oper und so ist es nicht verwunderlich, dass Varjon bereits mit 11 Jahren wusste: „Ich werde Pianist.“ „Das ist krass, dass jemand in diesem Alter schon weiß, was er werden will“, kommentiert Eric später, „das imponiert mir.“ Die Schüler erfahren, wie weit ein gefragter Musiker in der Welt herumkommt. „Am liebsten spiele ich in Neuseeland“, erzählt Várjon, „doch meist spiele ich in Europa, manchmal auch in Australien, Japan oder Nord Amerika, seltener in China oder Südafrika.“ Der Respekt der Schüler vor diesem in lässig weißer Hose und blauem Jacket dasitzenden Herrn wächst. Er hat eine siebenjährige Tochter, die jetzt auch mit Klavier als Zweitinstrument begonnen hat. Eric, der selber Klavierunterricht erhält, ist hocherfreut, dass der Klaviervirtuose nichts davon hält, den Kindern beim Üben Geldstücke auf den Handrücken zu legen, um die Handhaltung zu kontrollieren. „Es ist schrecklich, wenn der Lernende so strikt kontrolliert wird“, urteilt Várjon. „Eine gute Ausbildung ist aber eine gute Basis, im Musizieren Musik zu erleben und sie zu fühlen und so seinen Weg in der Musik zu machen.“

Wie man Musik erleben kann, verdeutlichte Várjon seinem jungen Publikum u.a. mit der „Fantasie C-Dur op. 17“ von Robert Schumann. Er zog seine Zuhörer derart in Bann, dass man eine Stecknadel am Boden hätte aufschlagen hören können, als der letzte, leise gespielte Ton verklungen war.

 

Text: Claudia Spittel /Stefan Schwarzer

Fotos: Claudia Spittel

 

Folgender Artikel wurde am 20.09.2018 im Generalanzeiger veröffentlicht: